Rifkinsche Dörfer

Wie besser das neue Jahr anfangen als mit ein bisschen Schwarzseherei? In meinem Edito von dieser Woche geht es um Rifkins Visionen für Luxemburg. Oder, besser gesagt, die visionären Kräfte, die dem Land fehlen, um den Entwurf des Ökonomen umzusetzen.

Das Edito ist hier nachzulesen: Große Zukunft für Luxemburg: Provinz-Visionen

Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich finde Jeremy Rifkins Bücher und Texte beachtenswert. Wer, wie er, viel produziert, liefert natürlich auch viele Ansatzpunkte für Kritik. Über die zahlreichen Vorbehalte, die man gegenüber seinen Ideen haben kann hinaus, halte ich das pauschale Niedermachen von Rifkins Ideen allerdings für verfehlt. Und, im Sinne der sozialen und ökologischen Ideale – für die der Amerikaner durchaus steht – für kontraproduktiv.

Die Dritte industrielle Revolution, mal ernst genommen

Bei Rifkin-Studie für Luxemburg stört mich andererseits, dass seine Ideen verzerrt und instrumentalisiert wurden – im Detail hatte ich das bereits im November dargelegt: Rifkin au Luxembourg : Vive la Troisième ! Eigentlich scheint es vor allem um den Prestige des Autoren und den Hype um Begriffe wie Third Industrial Revolution zu gehen – mit denen die “Marke Luxemburg” besser vermarktet werden soll. Wer dagegen, wie ich, diese Ideen ernstnimmt, dem wird das Gefühl kommen, Luxemburg kann sowas nicht schaffen.

Ich hatte dieses Gefühl bereits am Morgen als ich zur Rifkin-Vorstellung fuhr. Ursprünglich wollte ich meine diesbezüglichen Überlegungen in den Artikel einbauen, aber es hätte von der Hauptthese abgelenkt und es hätte auch kleinlich wirken können. Doch Anfang Dezember wurde die Rifkin-Debatte in der Chamber abgewürgt, weil eine „Son et lumière“-Schau zum Werdegang der Dynastie wichtiger erschien. Da bekam ich Lust, das Thema doch nochmal aufzugreifen. Und nebenbei das ganze Nation-Branding zu hinterfragen, bei dem sich wenig um den Wirklichkeitsbezug geschert wird – Schein statt Sein. Ich schlug der Redaktion ein solches Thema zum Jahresende oder für die erste Nummer 2017 vor – wir haben uns dann für letzteres entschieden.

Zivilgesellschaft statt Nation-Branding-Blabla

Pessimismus zum Jahresbeginn in der woxx ist eine Sache, doch für meinen ersten Blog-Eintrag 2017? Ehrlich, auswandern bringt’s nicht (siehe meinen Beitrag als “lm” zur woxx-Weihnachtsparade). Meine Hoffnung setze ich in die neuen zivilgesellschaftlichen Bewegungen in Luxemburg statt in die alten Eliten. Initiativen wie Transition sind vielversprechend – und auch unter menschlich Gesichtspunkten ist der Umgang mit den AktivistInnen der Zivilgesellschaft bereichernder als Pressekonferenzen und Pomp-Veranstaltungen mit BerufspolitikerInnen. Weshalb ich auch gespannt auf diesen Termin bin: Rifkin und Transition, am Freitag.

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